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Rechtstrieb

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Das Buch von Mischa Suter unternimmt eine historische Ethnographie in die prekäre Ökonomie des 19. Jahrhunderts, indem es den Moment ins Zentrum rückt, in dem Schulden unbezahlbar werden. Der "Rechtstrieb", die rechtlich sanktionierte Eintreibung von Schulden, formte einen Strom aus unzähligen Forderungen, Konflikten und Friktionen, die in ihrer Konkretheit sichtbar gemacht werden. Vor allem anderen sind Schulden ein Kräfteverhältnis, in dem ökonomische Beziehung und moralische Bewertung ineinander fließen. Der Alltag im liberalen Kapitalismus des 19. Jahrhunderts war ein undurchdringliches Geflecht solcher Verhältnisse. Wurden Schulden unbezahlbar, gerieten die von ihnen bestimmten Situationen in eine Schieflage. Die Eintreibung von Schulden war dabei eine basale Technik, die Zwangsvollstreckung ein Recht, das Sachverhalte voneinander abgrenzte, Werte umriss und Verhältnisse neu vermittelte: ein Recht der Wissenspraktiken, das unmittelbar auf die Lebenswelt der Betroffenen durchschlug. Männliche Schuldner riskierten den Verlust ihrer Bürgerrechte, Schuldnerinnen wurden unter Vormundschaft gestellt. So formte das Schuldenrecht Figuren wie den "bürgerlich toten Falliten" oder den formal definierten, einer gesonderten Konkursordnung unterstellten "Kaufmann" aus. Dem Rechtstrieb eignete vor seiner Vereinheitlichung im ausgehenden 19. Jahrhundert eine Vielzahl von Routinen, wie am Beispiel der Schweiz - einem Labor des ökonomischen und politischen Liberalismus - gezeigt wird. Sie bestanden aus Fristen, Registern, Protokollen, verpfändetem Hausgerät, Mahnzetteln und protestierten Wechseln. Die Formen und die Metamorphosen des Rechtstriebs verkörperten so die Widersprüche des liberalen Kapitalismus. Mischa Suters Buch interveniert in die Wissensgeschichte des Ökonomischen ebenso wie in die Debatte zum historischen Kapitalismus: Es ist eine Aufforderung, Konflikt, kollidierende moralische Sichtweisen und epistemische Konfusion als Kern des Kapitalismus zu erkennen.-- Provided by Publisher

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Rechtstrieb, Mischa Suter

Jazyk
Rok vydania
2016
Väzba
(mäkká),
Stav knihy
Dobrá
Cena
12,49 €

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Titul
Rechtstrieb
Jazyk
nemecky
Rok vydania
2016
Väzba
mäkká
Počet strán
332
ISBN10
3862530779
ISBN13
9783862530779
Série
Anotácia
Das Buch von Mischa Suter unternimmt eine historische Ethnographie in die prekäre Ökonomie des 19. Jahrhunderts, indem es den Moment ins Zentrum rückt, in dem Schulden unbezahlbar werden. Der "Rechtstrieb", die rechtlich sanktionierte Eintreibung von Schulden, formte einen Strom aus unzähligen Forderungen, Konflikten und Friktionen, die in ihrer Konkretheit sichtbar gemacht werden. Vor allem anderen sind Schulden ein Kräfteverhältnis, in dem ökonomische Beziehung und moralische Bewertung ineinander fließen. Der Alltag im liberalen Kapitalismus des 19. Jahrhunderts war ein undurchdringliches Geflecht solcher Verhältnisse. Wurden Schulden unbezahlbar, gerieten die von ihnen bestimmten Situationen in eine Schieflage. Die Eintreibung von Schulden war dabei eine basale Technik, die Zwangsvollstreckung ein Recht, das Sachverhalte voneinander abgrenzte, Werte umriss und Verhältnisse neu vermittelte: ein Recht der Wissenspraktiken, das unmittelbar auf die Lebenswelt der Betroffenen durchschlug. Männliche Schuldner riskierten den Verlust ihrer Bürgerrechte, Schuldnerinnen wurden unter Vormundschaft gestellt. So formte das Schuldenrecht Figuren wie den "bürgerlich toten Falliten" oder den formal definierten, einer gesonderten Konkursordnung unterstellten "Kaufmann" aus. Dem Rechtstrieb eignete vor seiner Vereinheitlichung im ausgehenden 19. Jahrhundert eine Vielzahl von Routinen, wie am Beispiel der Schweiz - einem Labor des ökonomischen und politischen Liberalismus - gezeigt wird. Sie bestanden aus Fristen, Registern, Protokollen, verpfändetem Hausgerät, Mahnzetteln und protestierten Wechseln. Die Formen und die Metamorphosen des Rechtstriebs verkörperten so die Widersprüche des liberalen Kapitalismus. Mischa Suters Buch interveniert in die Wissensgeschichte des Ökonomischen ebenso wie in die Debatte zum historischen Kapitalismus: Es ist eine Aufforderung, Konflikt, kollidierende moralische Sichtweisen und epistemische Konfusion als Kern des Kapitalismus zu erkennen.-- Provided by Publisher