Mittelalter: Das Reichsbistum des heiligen Ulrich - 2: Das Bistum des heiligen Ulrich
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Luthers Auftritt vor dem Reichstag in Worms gilt als bedeutender Moment in der deutschen Geschichte. Die Evangelische Kirche in Deutschland interpretiert diesen Moment jedoch ideologisch überladen und suggeriert, dass Luther bereits vor der Erklärung der Menschenrechte die Demokratie erfunden habe. In Wirklichkeit war die Reformation mit einer Nationalisierung des Religiösen verbunden. Preußen, als erstes protestantisches Territorium, umgab sich mit dem Mythos von Gottesfurcht und frommen Sitten. Doch wie Jakob Knab zeigt, ließ sich das Luthertum in das Bündnis von Thron und Altar einspannen, unterwarf sich den Hohenzollern und gab die Armen und Verfolgten preis. Knab widerlegt die Schönrednerei über Preußens Ruhm und beleuchtet die Verpreußung der deutschen Geschichte. Er entlarvt die Kriegspredigten Friedrich Schleiermachers als Streben nach nationaler Größe und zeigt die kriegstreiberische Verherrlichung Luthers im Ersten Weltkrieg auf. Zudem untersucht er, warum das völkisch-protestantische Milieu empfänglich für die nationalsozialistische Politik war. Besonders eindrücklich geht Knab der Frage nach, warum das Judentum im Kernland der Reformation weitgehend vernichtet wurde. Seine Unterscheidung zwischen Geschichte und Erinnerung leistet einen bedeutenden Beitrag zur historischen Friedensforschung und Aufklärungsarbeit.