Handbuch Gesetzesfolgenabschätzung (GFA)
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Ein Beitrag zur Theorie der Politik
Wir leben in theoriearmen Zeiten, was wir uns angesichts der vielfältigen Problemlagen und Herausforderungen jedoch nicht leisten dürfen. Vielmehr müssen die dynamischen Beziehungen zwischen Staat und Gesellschaft beim Übergang in die „transindustrielle Gesellschaft“ analysiert und neu erklärt werden, damit politisch-administratives Handeln auch zukunftsbezogen Unterstützung finden kann. Dies geschieht hier empirisch-analytisch anhand der Systemgeschichte der Bundesrepublik Deutschland („bewegte Ordnung“), futurologisch mittels entwicklungsorientierter Szenarien und theoriebildend durch Transfer und Ausbau des Ko-Evolutionskonzeptes von funktionalem Staat und Gesellschaft. Aus solchen Erkenntnissen werden auch praxeologische Empfehlungen für die Reform der Staatstätigkeit und für Verwaltungsmodernisierung abgeleitet. Insgesamt legen die Verfasser mit diesem Band einen Beitrag zur Theorie der Politik auf praxisorientierter Grundlage vor.
"Planung" ist ein facettenreicher Begriff in der bundesdeutschen Sprachlandschaft. Er erscheint harmlos, wenn es um private Haushalte (z.B. Urlaubsplanung) oder Unternehmen (z.B. Absatzplanung) geht. In technischen Bereichen wie Verkehrs- oder Bauleitplanung wird er als schwer durchschaubar und unheimlich wahrgenommen, aber bleibt unvermeidlich. Politisch wurde der Begriff lange gemieden, er trat jedoch in den 60er Jahren verstärkt in den Vordergrund, insbesondere durch die sozialliberale Koalition, und ist seither umstritten. Während private Haushalte und Unternehmen ihre Bedürfnisse an verfügbare Ressourcen anpassen, erscheint es bedenklich, wenn Regierungen ähnliche Maßnahmen für größere gesellschaftliche Bereiche treffen. Kritiker betrachten staatliche Planung als lächerlich, da sie den unvorhersehbaren Kräften und widerstreitenden Tendenzen nicht gewachsen sei. Tatsächlich ist es einfacher, Fehlplanungen in Bereichen wie Gesundheit, Bildung, Städtebau und Energie zu benennen als Erfolge zu verzeichnen. Die Planer, die in den 70er Jahren eingestellt wurden, stehen vor neuen Herausforderungen und können nicht mit neuen Aufgaben oder Stellen rechnen.