Das Trinkgeld-Geben ist eine zugleich alltägliche und überaus rätselhafte Handlung. Um Peanuts geht es dabei nicht: wo rund 5 bis 10 % des Rechnungsbetrags als Trinkgeld erwartet werden, da kommen in einer einzelnen Volkswirtschaft schnell einmal Milliarden zusammen - jährlich! In seiner spannenden historischen Spurensuche geht Winfried Speitkamp einem vieldimensionalen kulturellen Phänomen nach, einer Praxis, die aufs engste mit dem Selbstverständnis derer, die sie befolgen, verbunden ist.
Strukturgeschichtlich, d.h. nicht vorrangig chronologisch angelegte Darstellung des deutschen Kolonialismus u.a. mit den Aspekten von Verfassung/Verwaltung, Recht/Justiz, der Wirtschaft, der Mission, Bildung und Sozialpolitik, der Aufstände in den und der Erinnerung an die Kolonien. Rezension: Vorauflage 2005. Der Verfasser, geboren 1958, ist inzwischen Präsident der Bauhaus-Universität Weimar und Professor für Kulturgeschichte. Seine "Kleine Geschichte Afrikas" (2007 und 2009) hat Roland Schmitt sehr empfohlen. Allerdings nimmt das Thema jedoch in den letzten Jahren in der öffentlichen Diskussion einen wesentlich breiteren Raum ein, wofür auch zahlreiche ÖB-relevante Titel (z.B. G. Graichen/H. Gründer: "Deutsche Kolonien, Traum und Trauma", 2005 und H. Gründer: "Geschichte der deutschen Kolonien", 1991 sowie "Die Deutschen und ihre Kolonien", 2017), stehen; daher sei der Titel als preiswerte, wenn auch anspruchsvolle Überblicksdarstellung - nach Sebastian Conrads gleichnamigen Titel (2008; zuletzt 4. Auflage 2019) - zur fachlichen Ergänzung bei entsprechender Nachfrage durchaus sehr empfohlen. (3)
Speitkamp, Winfried – Erläuterungen, Analysen und Basiswissen – 14256 – Aktual. und erw. Ausgabe 2023
Lange hielt der Westen Afrika für einen »geschichtslosen Kontinent«. Dabei war das spätantike Reich von Axum im heutigen Äthiopien das erste christliche Königreich, und in mittelalterlichen Zentren wie Timbuktu blühten die Wissenschaft, der Handel und die islamische Religion. Winfried Speitkamp beschreibt die Vielfalt der Kulturen und Gesellschaftsformen insbesondere südlich der Sahara, die durch den europäischen Kolonialismus ab dem 19. Jahrhundert unterdrückt wurde. Dabei geht er auch auf die Umbrüche ein, die der afrikanische Kontinent seit der Befreiung von der Fremdherrschaft immer wieder erlebt.
Alles im Namen der Ehre: Duelle mit tödlichem Ausgang, heilige Eide und schmähliche Selbstmorde in Hotelbadewannen, öffentliche Ohrfeigen, nationale Mobilmachung, erdolchte Töchter, blutig gerächte Brüder und Väter, Frauenstreit auf der Domtreppe, geraunte Beleidigungen, Kopfstoß und Abgang eines Fußballidols. Dabei ist die Ehre weniger ein Gefühl als eine Sprache für Gefühle, die in Konflikten um Rang, Status und Hierarchie heraufbeschworen werden: Jeder empfindet etwas anderes als Schmach, Schande oder eben Ehrung, der auf dem Spiel stehende Wert erscheint dem einen für jedes Opfer gut, dem anderen aber nur lächerlich. Deshalb gibt es in jeder Kultur Ehrbegriffe und Ehrkonflikte, deren Wandelbarkeit der Historiker Winfried Speitkamp umfassend darstellt: von altgriechischer Krieger- und altrömischer Amts- und Tugendehre bis zur mediterranen Ehre, japanischem Bushido und dem Stolz junger Männer im heutigen Kenia. Zu einer friedlichen Verhandlung von Ehrkonflikten gehört das Wissen um die Geschichtlichkeit und die Nichtübertragbarkeit der eigenen Ehrvorstellungen auf andere. Gerade dies leistet diese Geschichte der Ehre: Aufklärung über Fremde und uns selbst.