Sowjetische Kriegsgefangene stellten eine der größten Opfergruppen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft dar. Während der millionenfache Tod in den Lagern der Wehrmacht gut dokumentiert ist, fehlt eine umfassende Darstellung der über 100.000 sowjetischen Kriegsgefangenen, die zur Zwangsarbeit oder Exekution in die Konzentrationslager der SS überstellt wurden. Diese Gruppe umfasste verschiedene Opfer, darunter „weltanschaulich untragbare“ Soldaten, weibliche Angehörige der Roten Armee und Mitglieder von Widerstandsorganisationen. Der KZ-Komplex Mauthausen-Gusen spielte in diesem Kontext eine besondere Rolle. Die Studie untersucht erstmals das Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen im System der nationalsozialistischen Konzentrationslager und beleuchtet die Hintergründe ihrer Auslieferung an die SS anhand von Quellen der Wehrmacht, Gestapo und SS. Die Kooperation dieser Institutionen wird dabei deutlich. Zudem wird ein Vergleich zu Kriegsgefangenen anderer Nationen gezogen, die ebenfalls von der Wehrmacht an die SS übergeben wurden, wie beispielsweise republikanische Spanier. Die Autoren, Reinhard Otto und Rolf Keller, verfügen über umfangreiche Erfahrungen und Publikationen zu diesem Thema und sind in der Gedenkstättenarbeit aktiv.
Otto Reinhard Poradie kníh




- 2019
- 1998
Im Juli 1941 erließ das Reichssicherheitshauptamt in enger Abstimmung mit dem Oberkommando der Wehrmacht die Einsatzbefehle Nr. 8 und Nr.9. Sowjetische Kriegsgefangene, die nach ideologischen Kriterien als „untragbar“ eingestuft wurden – weil sie Juden, Kommunisten oder Angehörige der sowjetischen Intelligenz waren – sollten demnach aus den Kriegsgefangenenlagern im Reich und im Generalgouvernement ausgesondert und im jeweils nächstgelegenen Konzentrationslager getötet werden. Einsatzkommandos der Gestapo nahmen die Aussonderung vor und kooperierten dabei mit den entsprechenden Instanzen der Wehrmacht. Obwohl der Bruch des Kriegsvölkerrechts offenkundig war, kam es von Seiten des Militärs nur vereinzelt zu Widerständen gegen das Mordprogramm, dem bis Sommer 1942 mindestens 38.000 Soldaten der Roten Armee zum Opfer fielen. Auf breiter Quellenbasis, darunter erst jetzt zugängliche Dokumente aus russischen Archiven, analysiert Reinhard Otto minutiös ein von Wissenschaft und Öffentlichkeit lange Zeit ignoriertes Großverbrechen des NS-Regimes und seinen engen Zusammenhang mit dem Arbeitseinsatz der sowjetischen Kriegsgefangenen.
- 1993