Der Berufsgruppe der »Domra«, die in Indien zur Kaste der Unberührbaren gehört, unterstehen die Verbrennungsstätten in Varanasi am Harishchandra Ghat und am Manikarnika Ghat. Die Domra verkaufen Holz, nehmen für jeden Leichnam, der am Ufer des Ganges eingeäschert wird, eine Gebühr ein und hüten das ewig brennende heilige Feuer, von dem alle Scheiterhaufen angezündet werden. Sie kümmern sich um die einzelnen Scheiterhaufen und scharren die Asche zusammen. Die Holzkohlereste und die Asche werden von den Domra nach Schmuck und Wertgegenständen durchsucht, bevor die Rückstände eines niedergebrannten Scheiterhaufens dem Fluß übergeben werden und langsam flußabwärts treiben.»Wenn die Rituale beendet, die Gottesdienste aus und die Toten verbrannt sind, bleibt das pure Leben: inhuman, heidnisch und unerlöst. Eigentlich müßten die Kinder der Aufklärung Winkler als Ketzer verfolgen. Dennoch: Domra – Am Ufer des Ganges ist ein großes Buch, mittelalterlich und hoffnungslos.« Helmut Schödel, Die Zeit
Josef Winkler Knihy






Kniha je souborem sedmdesáti tří miniatur, stručných metaforických vzpomínek na určující detaily z autorova života. Josef Winkler se zde z velké části vrací k zážitkům již zpracovávaným v předchozích knihách, ale podává je tu komprimované do několikařádkových volných próz, v nichž lze číst jak osobní zpověď toužící po rozhřešení, tak i zanícenou zášť vůči osobním i neosobním křivdám. Obrazový kosmos, který tu Winkler nabízí, je nám už z dřívějších románů znám. Jakoby autor zalistoval ve svých četných, do poslední stránky popsaných zápisnících a využil staršího materiálu pro sepsání nové knihy.
Josef Winkler wurde am 3. März 1953 in Kamering bei Paternion in Kärnten geboren. 2008 erhielt er den Georg-Büchner-Preis.
Táhni k čertu, otče
- 222 stránok
- 8 hodin čítania
V knize s výmluvným názvem se tentokrát nezjevují ve své smrti všichni mrtví z Kameringu, autor se tu soustřeďuje pouze na dva místní mrtvé; jedním je bývalý nacista a pronásledovatel Židů Odilo Globocnik, jehož tělo hnije nepohřbené na poli „na Svinským, kde dozrávalo zrno na chléb vezdejší a po celá desetiletí tak zamořovalo a otravovalo životy lidí v celém údolí Drávy“, druhým je autorův otec, který o této skutečnosti beze všech pochyb věděl, a přesto o tom nikdy nepromluvil. V mohutném slovním vodopádu zde autor demaskuje skutečný příběh své rodné vesnice, plné skrývaného tajemství, zla, pokrytectví a neštěstí.
Entomolog, který se vydal rozličnými dopravními prostředky po vodě i po souši na pouť po indonéských ostrovech, nespokojil se tu pouze studiem hmyzu. Pozoroval život ve městech i v přírodě v jeho pestré směsici, všímal si hospodářských a sociálních poměrů i politických vztahů. Nezapomíná však ani na historické památky, pohledy do minulosti, zvyky a obyčeje a ovšem popisuje také kouzlo krajin a zvláštnosti živočišné říše. Sepsal tak dobrý cestopis, vybavený hojnou faktografií.
Im Heimatdorf von Josef Winkler gab es früher einen »Knochenköhler«. Dieser sammelte bei Schlachtungen die Tierknochen ein, schichtete sie in einen Tonkrug und ließ sie auf glühenden Kohlen köcheln, bis sich ein schwarzer, nach Verwesung riechender Sud absetzte. Die Bauern strichen die Flüssigkeit den Pferden um Augen, Ohren, Nüstern, um lästige Insekten fernzuhalten.Im Buch übernimmt der Erzähler Maximilian den Part des Knochen- und Geschichtensammlers. Nüchtern rapportiert er die Sterbensgeschichten seiner Verwandtschaft und der Dorfbewohner. Tod reiht sich an Tod; gestorben wird an Krebs, durch Traktorenräder oder durch die eigene Hand. Ist ein Schicksal zu Ende erzählt, legt der Erzähler die Knochen der Verstorbenen in den Tonkrug. Noch nie hat Josef Winkler die Lebensgeschichten seines Dorfes vom Ende her, als Sterbensgeschichten, so souverän, dringlich und formvollendet erzählt: Wenn es soweit ist.
Josef Winkler wurde am 3. März 1953 in Kamering bei Paternion in Kärnten geboren. 2008 erhielt er den Georg-Büchner-Preis.
Mutter und der Bleistift
- 90 stránok
- 4 hodiny čítania
Es beginnt im indischen Ellora, wo der Erzähler stundenlang durch die buddhistischen, aus dem Fels gehauenen Tempel geht. In den Ruhepausen schlägt er Ilse Aichingers »Kleist, Moos, Fasane« auf. Durch einen bestimmten Satz sieht er sich ins Jahr 1943 versetzt, in dem der Großvater einen Brief ausgehändigt bekommt, worin steht, dass nun auch Adam, sein dritter Sohn, im Krieg gestorben ist. Seine Tochter, die spätere Mutter des Erzählers, wird über den Tod des Bruders mit den Worten »Der Adam kommt auch heim, aber anders …« in Kenntnis gesetzt. Daraufhin kehrt Schweigen in den Bauernhof ein. Ihr Leben lang wird die Mutter, die kürzlich gestorben ist, eine Schweigende sein. »Mutter und der Bleistift« schildert Szenen aus ihrem Leben. Peter Handkes Muttererzählung »Wunschloses Unglück« mischt sich ein, dazu »Abschied von den Eltern« von Peter Weiss. »Roppongi«, dem »Requiem für einen Vater« (2007), lässt Josef Winkler mit »Mutter und der Bleistift« ein Requiem für die Mutter folgen.
»Als ich mich vor drei Jahren mit meiner Familie in Tokio aufhielt, wo wir im Stadtteil Roppongi wohnten«, schreibt Josef Winkler über sein neues Buch, »starb im Alter von 99 Jahren mein Vater, der mir ein Jahr vor seinem Tod, nachdem er erfahren hatte, daß ich in meinem letzten Prosaband einem Bauern aus meinem Heimatdorf weder Kornblumen noch Pfingstrosen gestreut hatte, in einem kurzen, aber dramatischen Telefonmonolog mitteilte, daß, wenn es soweit sei, ich nicht zu seinem Begräbnis kommen solle. Als wir von seinem Ableben erfuhren, stand ich in der österreichischen Botschaft in Tokio vor einer wandgroßen Glasscheibe. Ich schaute hinaus auf einen Teich mit orangefarbenen Wakinfischen, als ein Reiher mit weit auseinandergebreiteten Flügeln am Rande des Teiches aufsetzte. Der tote Vater hat sich also, dachte ich in diesem Augenblick der Trauer und des Glücks, in der Gestalt eines weißen Reihers noch einmal bei mir blicken lassen, bevor er unter die Erde geschaufelt wird mit seinen langen, dünnen roten Beinen, mit seinem erdig gewordenen spitzen langen Schnabel, auf der Suche nach den Würmern seines zukünftigen Grabes in Roppongi. Sein Fluch war in Erfüllung gegangen; wir reisten nicht zurück, sondern blieben in Roppongi.«
Natura morta
- 93 stránok
- 4 hodiny čítania
White peaches, red broom, pomegranates tumbling down the escalator steps: with these delicately rendered details, Josef Winkler's Natura Morta begins. In Stazione Termini in Rome, Piccoletto, the beautiful black-haired boy whose long eyelashes graze his freckle-studded cheeks, steps onto the metro and heads toward his job at a fish stand in Piazza Vittorio Emanuele. The sights and sounds of the market, a melange of teeming life amid the ever present avatars of death, is the backdrop for Winkler's innovative prose, which unfolds in a series of haunting images and baroque, luxuriant digressions with pitch-perfect symmetry and intense visual clarity. Reminiscent of the carnal vitality of Pasolini, and taking inspiration from the play between the sumptuous and fatal in the still lives of the late Renaissance, Natura Morta is a unique experiment in writing as stasis, culminating in the beatification of its protagonist. In awarding this book with the 2001 Alfred Doblin Prize, Gunter Grass singled out Winkler's commitment to the writer's vocation and praised Natura Morta as a work of dense poetic rigor. "Magnificent. A poetic study of the transience of being. A deeply sensuous book." - Marcel Reich-Ranicki "A hypnotic novel." - Edmund White"



