Josef Winkler Poradie kníh






- 2022
- 2022
Die Ukrainerin
Njetotschka Iljaschenko erzählt ihre Geschichte
Nach einem längeren Aufenthalt in Wien zog sich Josef Winkler im Jahre 1981 auf einen Bauernhof in Kärnten zurück, um seinen Roman Muttersprache zu beenden. Dort fand er Quartier bei der Familie der Bergbäuerin Njetotschka Wassiljewna Iljaschenko, einer im März 1943 von Hitlers Schergen verschleppten Ukrainerin ‒ die ihm über ein Jahr lang ihre Lebensgeschichte erzählte. Die Bäuerin berichtet dem Autor vom Leben ihrer verzweifelt um die Existenz der Familie ringenden Mutter am Ufer des Dnjepr und von ihrer eigenen Kindheit während der Zeit der Kollektivierung und Hungersnot (Holodomor) im Dorf Dobenka, das später vom Stausee von Krementschug überflutet wurde. Sie erzählt von ihrer gewaltsamen Verschleppung aus der Ukraine zur Zwangsarbeit nach Kärnten, und sie berichtet von ihrem ersten Jahr auf dem Kärntner Bergbauernhof. Der Band erscheint mit einem Nachwort von Josef Winklers französischem Übersetzer Bernard Banoun sowie erstmals mit Briefen, die Hapka Davidowna Iljaschenko aus der Ukraine an ihre Tochter Njetotschka in Kärnten schrieb.
- 2020
Begib dich auf die Reise oder Drahtzieher der Sonnenstrahlen
- 259 stránok
- 10 hodin čítania
Wer Winkler liest, wird Winklers Sprachlust nicht vergessen. Sie entzündet sich an Leben und Sterben im heimatlichen Kamering, am Gewimmel italienischer Märkte – an der Turbulenz zwischen den Scheiterhaufen im indischen Varanasi. Aber auch an Büchern, Gemälden und Skulpturen kann sie sich entzünden, wie diese Sammlung zeigt. Und manchmal kommt es zu einer Selbstentzündung, die Sprachlust fängt einfach so an zu brennen – wenn der Autor aus Traum und Tag zusammenkehrt, was zu besingen ist. Dann entsteht ein Text wie »Specter of the Gardenia«: »Auf die Stimme der weißen Kreide / Auf die Wasseroberfläche des Tintenkleckses (…) / Auf die Unterseite einer gespaltenen Leguanzunge am Bug des sinkenden Schiffes und auf die Meerestiefe meines Tintenfasses – königsblau SCHREIB ICH DEINEN NAMEN …«
- 2020
Táhni k čertu, otče
- 222 stránok
- 8 hodin čítania
V knize s výmluvným názvem se tentokrát nezjevují ve své smrti všichni mrtví z Kameringu, autor se tu soustřeďuje pouze na dva místní mrtvé; jedním je bývalý nacista a pronásledovatel Židů Odilo Globocnik, jehož tělo hnije nepohřbené na poli „na Svinským, kde dozrávalo zrno na chléb vezdejší a po celá desetiletí tak zamořovalo a otravovalo životy lidí v celém údolí Drávy“, druhým je autorův otec, který o této skutečnosti beze všech pochyb věděl, a přesto o tom nikdy nepromluvil. V mohutném slovním vodopádu zde autor demaskuje skutečný příběh své rodné vesnice, plné skrývaného tajemství, zla, pokrytectví a neštěstí.
- 2019
[…] Schließlich kam nach so manchen Tagen „schrecklicher Einsamkeit“, wie sie Mircea Eliade in seinem „Indischen Tagebuch“ beschreibt, der Tag meiner Abreise aus Kalkutta. Meine vier vollgeschriebenen Notizbücher hatte ich nach und nach im Goethe-Institut, im sogenannten „Max Mueller Bhavan“ kopiert, und die Vervielfältigungen vorsichtshalber der Praktikantin Dorothea überlassen, die einmal, so erzählte sie mir, bei Monsun von ihrer Wohnung zur Arbeit gegangen war, daß ihr, durch die überfluteten Straßen watend, das Wasser bis zu den Hüften gereicht hatte. Ich hätte es nicht überlebt, wenn meine Kalkutta-Tagebücher verlorengegangen wären, die abertausenden Eindrücke und Beobachtungen hätten mich, wären sie verlorengegangen, noch im nachhinein erdrückt und ich hätte, da ich mir nichts merken kann, das schreckliche Gefühl ganz und gar umsonst mutterseelenallein in Kalkutta gewesen zu sein. Beim Verlust dieser Reisetagebücher wäre ich nach Kalkutta zurückgekehrt und mit Hilfe meines nachtragenden, erbarmungslosen Schutzengels aus dem Fenster des Hotels „Bengali Club“ in den Tod gestürzt, es sei denn, ich hätte beim Abflug aus London mit der British Airways der Stewardeß in den Oberarm gebissen. […]
- 2019
Der Stadtschreiber von Kalkutta
- 105 stránok
- 4 hodiny čítania
Und mit meinem Notizbuch, auf dem ein plitschnasser indischer Knabe am Ufer des Meeres abgebildet war, der keck lachend zwischen mehreren über und über mit gelben und orangefarbenen Blumengirlanden behängten Ganeshas, Statuen des indischen Elefantengotts, hockt, ging ich kreuz und quer durch die Straßen von Kalkutta und begann meine Beobachtungen aufzuschreiben ...
- 2018
Ein Junge zieht einen schwarzen, an einer Schnur am Hals festgebundenen Hundewelpen die Straße lang. Das Hündchen fällt um, steht wieder auf, der Junge zieht das sich im Staub wälzende neugeborene Tier weiter über den heißen Asphalt. Kaum ist das Hündchen wieder auf den Beinen, beginnt es an einem gelben Hühnerfuß zu nagen, von dem ein paar Zehen schon halb abgefressen sind. Wendet sich der kleine Hund von der Hühnerkralle ab, schiebt ihn der Junge am Genick wieder zum Fressen. Während am Brunnen ein bärtiger Moslem laut keuchend Wasser in seinen Lederbalg pumpt, der schwarze Hundewelpe mit einem gelben Hühnerfuß im Maul auf mich zuläuft, umringen mich immer mehr Kleinkinder, schauen auf mein Notizbuch und betasten meine Füllfeder. Immer wieder hört man die Schreie der Krähen, überall sind sie und suchen nach Lebensmittelresten. Auch hier am Straßenrand picken sie zwischen einer sich langsam bewegenden, nassen, ebenfalls Lebensmittelreste suchenden Ratte die Rückstände von Reis und Dhal von den weggeworfenen, am Asphalt liegenden Blättertellern. […]
- 2018
- 2018
Erst vor wenigen Jahren hat Josef Winkler erfahren, dass sein Kärntner Landsmann Odilo Globocnik, der sich als Leiter der »Aktion Reinhardt« mit den Worten »Zwei Millionen ham‘ ma erledigt« des Massenmords an den Juden gerühmt hatte, nach seinem Zyankali-Freitod im Mai 1945 auf einem Gemeinschaftsfeld Kamerings verscharrt wurde, in den »Sautratten« – dort, wo auch Winklers Vater und Großvater ihr Getreide anbauten und ernteten. In einem bösen Wortmarathon exhumiert der Autor das Skelett des SS-Massenmörders Globocnik – und mit dem Skelett die Geschichte von Winklers Heimatdorf Kamering nach dem Krieg. Laß dich heimgeigen legt den Finger in die Wunde eines Jahrzehnte währenden kollektiven Verschweigens. »Die Sätze, die sich in kreisenden, bohrenden, in schauerliche Tiefe grabenden Bewegungen entfalten, gehören zum Wuchtigsten, was deutsche Prosa heute überhaupt bieten kann.« Jury des Österreichischen Buchpreises




