Der „Neue Mensch“ und das „Neue Sehen“ prägten die frühe sowjetische Avantgarde, während der „Kulturfilm“ als neuartige Form des Kinos das sozialanthropologische Experiment als Wahrnehmungsumsturz umsetzen sollte. Diese Gattung erlebte in der Sowjetunion eine kurze, aber kreative Blütezeit: in populär-wissenschaftlichen und ethnographischen Filmen, in der Erziehung zur Sozialhygiene, als biopolitisches Umerziehungsprojekt, sowie in der Propaganda für Elektrifizierung und Agitation für Glück. Basierend auf umfangreichen Archivrecherchen entdeckt diese Pionierarbeit über 140 filmische Kleinode, darunter animierte, inszenierte und dokumentarische Werke, die durch innovative technische Ansätze und Schnitttechniken visualisiert werden. Das revolutionäre Projekt der Kino-UdSSR wird als unentdeckte Materialkultur präsentiert, ohne sich auf große Namen zu stützen, jedoch im Geiste des bedeutendsten Kulturfilmers, Dziga Vertov. Barbara Wurm, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der HU Berlin, ist auch freie Filmkuratorin und Autorin.
Barbara Wurm Poradie kníh (chronologicky)
