Keine Schurkenstaaten, wir allein sind schuld an der fortdauernden Finanzkrise und der Klimabedrohung. Einer ratlosen Politik fehlen die moralischen Kräfte, die für soziale Gerechtigkeit und für Zukunftsvorsorge unentbehrlich sind. Barack Obama stiftet Hoffnung. Aber die kann er nicht als Erlöser, die können wir nur selbst durch Wiedererweckung der Werte erfüllen, die uns abhanden zu kommen drohen. Horst-Eberhard Richter, vom ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau als Analytiker und Therapeut des ganzen Landes bezeichnet, behandelt die großen Fragen, vor denen wir heute stehen. Die Lehre des Vaters der deutschen Friedensbewegung aus seiner reichen therapeutischen Erfahrung und Begegnungen mit Brandt, Gorbatschow, Sir Ustinov und vielen anderen lautet schlicht: Kein anderer Weg kann uns aus den Krisen herausführen als das Erstarken eines neuen moralischen Verantwortungsbewusstseins.
Horst-Eberhard Richter, ein bedeutender Psychoanalytiker und Sozialphilosoph, analysiert klar und originell die Krise der Moderne. Er entwickelt seine Thesen aus "Der Gotteskomplex" weiter und beleuchtet das Misslingen einer gerechten Globalisierung, die anhaltende atomare Bedrohung und die Verdrängung destruktiver Massenbewegungen als unbewältigte Erbschaften des 20. Jahrhunderts. Spitzenforscher warnen vor der Ausbeutung eigener Errungenschaften im Dienste von Geld und Macht. Richter zeigt anhand von Schlüsselfiguren, wie das Ringen um innere Einheit oder Spaltung, Versöhnung oder Gewalt, sowie das Verständnis von Männlichkeit und Weiblichkeit von der Antike bis zur Gegenwart verlaufen ist. Er hinterfragt den Wandel von Gott-Haben zu Gott-Sein-Wollen und die Illusion, dass männliches, wissenschaftlich gestütztes Allmachtsstreben durch das Fehlen von Empfindsamkeit bei Frauen ausgeglichen werden könne. Diese Illusion ist geplatzt, und Frauen sind zu ebenbürtigen Rivalinnen geworden. Dennoch lassen sich Männer von Anführern wie George W. Bush täuschen, die mit Kriegen alte Ängste besiegen wollen. Auf allen Kontinenten haben sich Gruppen aus verschiedenen Ethnien, Nationen und sozialen Schichten zu einer neuen Bewegung zusammengeschlossen, die für einen alternativen solidarischen Fortschritt eintritt. Richter veranschaulicht, was sie antreibt und wie eine andere Welt möglich ist.
Edna O'Shaughnessy: Eine invasive projektive Identifizierung: Wie Patienten in Denken und Fühlen des Analytikers eindringen - Gigliola Fornari-Spoto: 'In Benommenheit schwelgen': Die Analyse eines narzißtischen Fetischs - Klaus Wilde: Die ewige Wiederkehr des Gleichen. Aspekte aus der Analyse einer Perversion - Wolfgang Steffens: Zur Funktion des ausgeschlossenen Dritten in einer koprophag-perversen Abwehrorganisation - Claudia Frank: 'Ver-rückt'. Realisieren perverser Momente in Übertragung und Gegenübertragung - Albrecht Hirschmüller: Zur Vor- und Frühgeschichte des Perversionsbegriffs - Hans Füchtner: Psychoanalytiker, Mitläufer, Nazi, Gestapomann, militanter Marxist? Der Fall Werner Kemper - Gerhard Fichtner: Freud als Briefschreiber.
Nur die Bewährung in Gegenseitigkeit schützt das Leben. H.-E. Richter untersucht die Entwicklung des individualistischen Menschenbildes seit der Renaissance. Aus der ursprünglichen Glaubensgemeinschaft des „Wir“ hat sich das „Ich“ verselbständigt, was zu einer Kultur des egoistischen Allmachtswahns führte. Ein unbändiger Bemächtigungswille dominierte, der in einen rücksichtslosen Wettkampf um absolute ökonomisch-technische Herrschaft mündete. Dieser Machtwille unterdrückte soziale Bindungskräfte, die jedoch von Denkern wie Pascal, Hume, Smith, Rousseau, Schopenhauer und Buber verteidigt wurden. Richter schildert seine Erkenntnisse als Psychoanalytiker und Familientherapeut, dass seelisches Leben von Geburt an in Gegenseitigkeit und Abhängigkeit verläuft. Die Vorstellung eines individuell abgeschlossenen seelischen Apparats ist ein Produkt des egoistischen Bemächtigungswillens. Eine Umbesinnung ist notwendig, da der Einzelne in verpflichtenden gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnissen eingebunden ist. Hoffnung schöpft Richter aus der wachsenden kritischen Bewegung gegen die ungleiche Verteilung der Globalisierungsgewinne und die Spaltung zwischen Arm und Reich. Zudem engagiert er sich in der Organisation „Attac“ für eine menschlichere Gemeinschaft, die auf Gerechtigkeit und Ebenbürtigkeit basiert.
Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges Ärzte in sozialer Verantwortung
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Eine Dekade nach dem Schwinden der unmittelbaren atomaren Bedrohung durch den Ost-West-Antagonismus und zu Beginn eines neuen Jahrtausends ist die Welt noch weit von einer Friedensgesellschaft entfernt. So hat die UNESCO das Jahr 2000 unter das Motto 'Kultur des Friedens' gestellt – ein Motto, dessen sich auch die deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) angenommen hat. Sie veranstaltete im Dezember 2000 einen internationalen Kongress in Berlin, der als ein offizielles Projekt der UNESCO im Rahmen des UNESCO-Jahres stattfand. Die Internationalen Friedensärzte der IPPNW – 1985 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet – werben dafür, dass nur unter Beteiligung aller gesellschaftlichen Gruppen eine bessere Friedenssicherung erreicht werden kann. Gerade angesichts neuerer Kriege in vielen Teilen der Erde erfordert eine Kultur des Friedens die Globalisierung der Erkenntnis, dass alle auf alle anderen in dieser Welt angewiesen sind – dass es also nur eine gemeinsame Sicherheit geben kann. Der Band dokumentiert die hochkarätigen Beiträge dieser Veranstaltung: Namhafte Persönlichkeiten aus Gesellschaft, Literatur, Politik und Wissenschaft – insbesondere der Friedensforschung – fordern diskursiv zu radikaler Aufklärung und zur Wiederbesinnung auf jene Kräfte auf, die vor nicht allzu langer Zeit entscheidend geholfen haben, einen drohenden Atomkrieg abzuwenden, und denen es ebenfalls gelingen kann, zu einer Weltkultur des Friedens wichtige Beiträge zu leisten. Das Buch bietet einen aktuellen Einblick in Analysen und Perspektiven gegenwärtiger Kriegs-, Friedens- und Konfliktsituationen in verschiedenen Teilen der Welt. Die Autoren beschäftigen sich auch mit den Konsequenzen der Kriege in Jugoslawien und Tschetschenien sowie mit Modellen konstruktiver Friedens- und Versöhnungsarbeit, wie sie in jüngster Zeit in Afrika und dem Nahen Osten praktiziert wurden. Auch der jüngste Ausbruch der Gewalt zwischen Juden und Palästinensern findet Berücksichtigung. Mit Beiträgen von: György Konrad: Kultur des Friedens, Egon Bahr: Neue Gefahren für den Weltfrieden, Hans-Peter Dürr: Die Kunst des Friedens, Oskar Negt: Gewaltpotenzial aus sozialen Konflikten – Analysen und präventive Strategien, Horst-Eberhard Richter: Heilung einer Krankheit. Weitere Beiträge von: Richard von Weizsäcker, Dan Bar On, Oskar Lafontaine und Jens Reich.
THEORETISCHER BEITRAG: Ellinor Fairbairn Birtles: Fairbairns philosophischer Beitrag: Eine psychoanalytische Theorie der Objektbeziehungen - Wilfried Ruff: Werten - urteilen - verantworten. Grundannahmen fur eine psychoanalytische Ethik - KLINISCHE BEITRAGE: Jacqueline Amati Mehler: Einige Betrachtungen zur Kreativitat - Maria V. Bergmann: Angst vor Retraumatisierung und die Abwehrfunktion der negativen therapeutischen Reaktion - Edna O'Shaughnessy: Die Beziehung zum Uber-Ich - Rudolf Bensch: Psychoanalyse der Langeweile - BEITRAGE ZUR GESCHICHTE DER PSYCHOANALYSE: Ernst Federn: Vom Es zum Wir: Zur Geschichte der der psychoanalytischen Ich-Psychologie - Ernst Falzeder: Von Freud traumen: Ferenczi, Freud und eine Analyse ohne Ende - Klaus Hoffmann: Ludwig Binswangers Einfluss auf die deutsche Psychoanalyse nach 1945 - F.W. Eickhoff: In memoriam K. R. Eissler (2. Juli 1908 - 17. Februar 1999) - Gesamtbibliographie K. R. Eissler.
Das Jahrbuch der Psychoanalyse zahlt seit seinem ersten Erscheinen 1960 zu den fuhrenden deutschsprachigen Periodika in diesem Feld. Es sieht seinen Auftrag darin, psychoanalytisch-klinische Erfahrung und Beobachtung mit theoretischer Reflexion zu verbinden und in historische Perspektiven einzufugen. Ursprunglich als Diskussionsorgan der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung gegrundet, um nach der nationalsozialistischen Zerstorung den Bezug zur internationalen Psychoanalyse wiederherzustellen, hat sich das Jahrbuch im Laufe der Zeit zu einer fur alle Fachgesellschaften offenen wissenschaftlichen Zeitschrift entwickelt. Innerhalb der Psychoanalyse ist das Jahrbuch keiner einzelnen Schulrichtung verbunden, es will vielmehr den Austausch der Perspektiven und Traditionen fordern. Richtungsweisend ist die Idee der Optionalitat jeder Deutung, die durch Methodentreue gleichwohl vor Beliebigkeit geschutzt ist. Diese Idee gilt fur alle Rubriken des Jahrbuches: die klinische Praxis, die klinische Theorie, die Metapsychologie sowie die angewandte Psychoanalyse. Die detaillierte Dokumentation und Diskussion klinischer Arbeiten, die das Jahrbuch unter anderen psychoanalytischen Periodika auszeichnet, steht dabei im Zentrum. Daruber hinaus wird psychoanalytisches Denken in einen Dialog mit angrenzenden Diskursen in Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft eingebracht. Beitrage auslandischer Autoren sollen die Auseinandersetzung mit der psychoanalytischen Diskussion weltweit fordern. Die zweimal jahrlich im Fruhjahr und Herbst erscheinenden Bande enthalten regelmassig Themenschwerpunkte, die komplexe und kontroverse Themen aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten. Eine editorische Besonderheit stellt die Rubrik 'Freud als Briefschreiber' dar, in der zuvor unveroffentlichte Briefe Sigmund Freuds erstmals im Druck erscheinen und kommentiert werden. Nicht zuletzt werden im Jahrbuch die renommierten Karl-Abraham- und Wolfgang-Loch-Vorlesungen veroffentlicht. Eingesandte Beitrage werden in einem Peer-Review-Verfahren begutachtet und bei Eignung zur Publikation von den Herausgebern fachlich und redaktionell bis zur Endfassung betreut. Den Herausgebern des Jahrbuchs ist besonders auch an der Forderung jungerer Autoren und Autorinnen gelegen. Abgerundet wird das Profil des Jahrbuches durch die Beihefte, in denen einschlagige Monographien erscheinen.