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Norbert W. Schlinkert

    1. január 1964
    Wanderer in Absurdistan
    Das sich selbst erhellende Bewußtsein als poetisches Ich
    Stadt, Angst, Schweigen
    Kein Mensch scheint ertrunken
    Tauge/Nichts
    Die Hoffnung stirbt immer am schönsten
    • Seit über zehn Jahren betreibt Norbert W. Schlinkert sein Blog »Nachrichten aus den Prenzlauer Bergen!«. Schonungslose Einblicke in den Schreiballtag zeichnen sein Journal aus: sowohl das Hadern mit seit Jahren in Arbeit befindlichen Romanen als auch Reflexionen zu einer Tätigkeit, die nur sporadisch mit Anerkennung honoriert wird. Kritische Urteile über den Literaturbetrieb bleiben nicht aus. Ein Dilemma, das Schlinkert in seinen beiläufigen Beobachtungen zudem spöttisch verfolgt, ist die vollständige Gentrifizierung seines Bezirks. Die ökonomischen Verwerfungen und sozialen Frakturen zeigen sich auf dem Bürgersteig. Der Schriftsteller seziert diese Entwicklung in dichter Prosa; sie bildet das Gegenstück zu seinen poetologischen Überlegungen, den Nöten, Lüsten und Freiheiten als »Schriftler«.

      Die Hoffnung stirbt immer am schönsten
    • Tauge/Nichts

      Erzählender Essay

      Um nichts in der Welt darf ein Taugenichts dort bleiben, wo ihn sein Taugenichtssein ereilte, wo es ihm zugefügt worden ist. So verlässt er, sich zu retten, die heimatlichen Gefilde und sucht sein Glück anderswo. Doch der Schlinkertsche Taugenichts ist, im Gegensatz zu dem des Joseph von Eichendorff, weder naiv noch leichtgläubig. Dennoch aber jagt ein unglaubliches Abenteuer das andere, während er immer mehr in den Bann der eigenen Gedanken gerät. Er erinnert sich, an die Eltern, seine Jugend in der Provinz, aber auch an das Entdecken all der Taugenichtse in Romanen und Filmen, über die er staunt und von denen er lernt, bis ihm endlich luzide vor Augen tritt, welch eigene Haltung zur Welt er hat entwickeln müssen, um ganz und gar eines zu sein: Taugenichts.

      Tauge/Nichts
    • Das Eis der Zivilisation ist dünn, es bricht jeden Augenblick, und nur durch Eiseskälte schließt sich der Bruch. Ich gehe – heute, ich gehe jetzt – einige Zeit in eine Richtung und erreiche den nahezu kreisrunden See im Nordosten der Stadt, den es, das weiß ich aus einer Lektüre, seit der Steinzeit gibt. Der Mensch ist älter, denke ich, bin aber dennoch beeindruckt. Dann lenkt mich das Getöse des Verkehrs ab, der kaum zweihundert Meter entfernt, jenseits des Sees, vorüberbraust, und ich denke, auch eine besonders explosive Weltkriegsbombe hätte diesen See erschaffen können. Dagegen aber sprechen die Altbauten in unmittelbarer Nähe. Also doch die Steinzeit. (Klappentext)

      Kein Mensch scheint ertrunken
    • Stadt, Angst, Schweigen

      Heraklitischer Fließtext

      Ein Mann erwartet bis Sonnabendmittag den Anruf seines HNO-Arztes Prof. Dr. Kofler, der ihm das Ergebnis aufwändiger Untersuchungen mitteilen wird, die seiner immer stärker werdenden Heiserkeit wegen vorgenommen werden mussten. Von Unruhe getrieben verlässt der Mann am späten Freitagabend seine Wohnung im Prenzlauer Berg und gerät gehend immer tiefer in seine eigene, abgründige Gedankenwelt hinein. Er denkt nach über seine Herkunft, die Untersuchungen bei Kofler und dessen immer aufreizend gekleidete Sprechstundenhilfe, seinen Vorgesetzten Kranzler und dessen unerträglichen Körpergeruch, die überaus attraktive Frau Semper, die er selbst Kranzler als dessen Assistentin ausgesucht hat, die Krämer, die er, so Kranzler, als Sekretärin einfach mitbenutzen solle … Norbert W. Schlinkert erzählt in einer zwischen innerem Monolog und einem Bewusstseinsstrom changierenden, furiosen und nicht selten bitter-komischen Art und Weise von einer Nacht der Angst, in der der unbedingte Drang des sich schonungslos selbstquälenden Geistes offenbar wird, die Wahrheit eines ganzen Lebens zu begreifen.

      Stadt, Angst, Schweigen
    • Nicht das Absurde selbst ist fassbar, sondern die Erscheinung des Absurden ist es. Folgerichtig muss dieser Erscheinung das Erscheinen möglich gemacht werden, so dass nichts folgerichtiger ist als sich zu bewegen, durch (Denk-)Räume hindurch, nicht kreuz und quer, sondern mäandernd-zielbewusst, wandernd. Es geht somit um die Entdeckung von Denkräumen im Kontext realer (Lebens-)Räume. Das Hauptaugenmerk wird hier auf die in den Texten zu erkennenden (neuen) Denkräume gelegt, die immer etwas Jenseitiges und Anderes haben, etwas Widersinniges und Absurdes, in welcher Form und Intensität auch immer. Die Untersuchung zeigt auf, wie mit der Begrifflichkeit des Absurden und durch die wechselseitige Verschränktheit von „Wanderung“ und „Absurdistan“ der Prozess einer Veränderung, einer fundamentalen Bewegung und Beweglichkeit des modernen Geistes, transparent wird.

      Wanderer in Absurdistan