Deutsche und Polen. Abgründe und Hoffnungen
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Deserteure der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg - Lebenswege und Entscheidungen
Deutsche Soldaten, die ihre Truppe während des Zweiten Weltkrieges verließen, galten als Verräter an der NS-Volksgemeinschaft – über 15.000 von ihnen ließ die Wehrmachtjustiz von 1939 bis 1945 hinrichten. Einigen hundert Deserteuren gelang die Flucht in die Schweiz. In sechs Fallstudien zeichnet der Autor erstmals Lebenswege und Entscheidungen dieser Deserteure nach. Einzigartige Quellenfunde ermöglichen neue Fragen an die Geschichte der Verweigerung im Vernichtungskrieg – so über den Zusammenhang von Männlichkeit und Kampfbereitschaft. Im Spiegel von Vernehmungsprotokollen, Selbst-zeug-nissen und Romanmanuskripten erweisen sich Vorstellungen von Deserteuren als (regimekritischen) Kriegsgegnern als Klischee. Durch das Gegen-einan-derlesen zeitgenössischer und aktueller Texte kann die Studie auch erstmals Veränderungen biographischer Selbstsichten zeigen; diese verweisen auf die gewandelten Erinnerungsbedingungen im Nach-kriegsdeutschland. Durch den Blick auf die Außenseiter zeigt das Buch, was die Wehrmacht zusammen hielt – und wie Deserteure vor und nach 1945 das Stigma Fahnenflucht verarbeiteten.
Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht
Im Jahr 2002 wurden die meisten Urteile deutscher Militärgerichte aus der NS-Zeit aufgehoben. Doch die Diskussion ist nicht abgeschlossen. Die Auffassung 'Was damals Recht war, kann heute nicht Unrecht sein' – mit der der SPIEGEL 1978 den damaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Hans Filbinger zitierte – ist bis heute anzutreffen. Die Bilanz der Wehrmachtsgerichte ist jedoch erschreckend: Sie vollstreckte allein 15.000 Todesurteile gegen Deserteure und schickte tausende von Soldaten in 'Bewährungs-Bataillonen' und Straflagern in den sicheren Tod. Mit zahlreichen Fotos, Tagebüchern, Briefen und Aktenstücken zeigt dieser Band, dass die Legende von der sauberen Wehrmachtsjustiz nicht zu halten ist.
Österreichische Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht
Die Ausstellung „‘Was damals Recht war…‘ – Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht“ ist seit 2007 in der Bundesrepublik und in Österreich unterwegs. Sie erinnert an die Schicksale von Männern und Frauen, die während des Zweiten Weltkrieges von einer verbrecherischen Militärjustiz verurteilt wurden. Das Begleitbuch dokumentiert die Lebenswege von 14 Menschen, die die Wehrmachtsjustiz zu schweren Strafen oder zum Tode verurteilte und erklärt den Unrechtscharakter und die Willkür der deutschen Militärgerichte: Es zeigt die Nazi-Richter, die über Handlungsspielräume verfügten und doch Todesurteile aussprachen; die gleichen Richter, die nach ’45 Karriere an Gerichten, Hochschulen und in der Politik machten und damit auch ein Nachkriegsdeutschland und -Österreich mitformten, das seine Geschichte nicht aufarbeitete. Buch wie Ausstellung nehmen die geschichtspolitischen Auseinandersetzungen um die Rehabilitierung der NS-Militärjustizopfer in den Blick und lassen Zeitzeugen zu Wort kommen. Im September 2010 wird die Ausstellung in Villach, Kärnten fortgesetzt.